Angelhaken aus Jülich

Christoph Ludwiki

Fund aus Grab 74

Material: Messing

Der unscheinbarste, jedoch bemerkenswerteste Fund des reich ausgestatteten Kriegergrabes 74 aus der spätantiken Nekropole in Jülich, Kreis Düren, ist ein bronzener Angelhaken (siehe auch: Gürtelrekonstruktion Grab 74).
Der Angelhaken wurde zwischen den Oberschenkelknochen des fast komplett erhaltenen Skelettes eines Mannes mittleren Alters vorgefunden. Der aus einem Bronzedraht gebogener Angelhaken hat eine Länge von 3,7cm. Der Querschnitt ist oval bis vierkantig. Anstelle einer Öse ist das obere Ende T-förmig ausgearbeitet, um eine Angelschnur anbringen zu können. Ein anzunehmende Widerhaken ist durch Korrosion am Original vergangen. In der Rekonstruktion wurde ein Widerhaken nach diversen eisenzeitlichen Funden nachgebildet.

In dem hier gezeigten Rekonstruktionsvorschlag dient ein fester Leinenzwirn als Angelschnur. Als Angelgerät wird eine Handhaspel aus Eichenholz vorgeschlagen, die nach Anregung eines Repliks von Herrn Jörg Nadler entstand (siehe Linkhinweis unten). Eine Angelrute z.B. aus Haselholz wäre ebenfalls denkbar.

Die Grabbeigaben in spätantiken Männergräbern setzen sich zumeist nach einem festen Schema zusammen:

  • Trachtzubehör (Gürtelgarnitur, Fibeln
  • Waffenbeigaben (Lanzen, Äxte, seltener Spatha)
  • Trank- und Speisebeigaben (nachzuweisen durch div. Keramik- und Glasgefäße)
  • „Geräte“ (Schlageisen/ Feuerstein, Toilettengeräte, Gebrauchsmesser)

Andere persönliche Gegenstände finden sich nur selten. Ein Angelhaken als Grabbeigabe in einem Kriegergrab der späten römischen Kaiserzeit ist einzigartig. Ernährungsgeschichtlich spielt Fisch im Rhein/Maasraum in der Spätantike eine eher untergeordnete Rolle. Zudem musste sich ein hochrangiger Krieger, wie der verstorbene aus Grab 74, sehr wahrscheinlich nicht selbst um seine Nahrungsbeschaffung kümmern.
Dieser Fund gibt uns daher in einmaliger Weise einen kleinen Einblick in das Alltagsleben eines vor ca. 1600 Jahren Verstorbenen, der neben seiner Tätigkeit als Förderat im römischen Dienst scheinbar gerne…angelte.


Literatur:

  • Heike Pöppelman,  „Das spätantike-frühmittelalterliche Gräberfeld von Jülich, Kreis Düren“

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