Militärgürtel aus Jülich-Kirchberg

Christoph Ludwiki
 

Ein spätrömischer Militärgürtel aus Jülich-Kirchberg

Im Jahr 1997 entdeckte man auf der Flur „zum Steinacker“ bei Jülich-Kirchberg, Kreis Düren, im Bereich einer ehemaligen Villa Rustica einen zum Burgus ausgebauten Speicherbau (horreum).

Die Villa und der Burgus wurden in der Zeit der Frankeneinfälle vom 355/356 völlig zerstört und in der Folgezeit nicht wieder aufgebaut.

In dem Burgus vorgelagerten Spitzgraben entdeckte man in einer separaten Grube die Skelette eines ca. 50 jährigen Mannes und eines etwa 14 jährigen Jungen. Der in Bauchlage scheinbar notdürftig bestatte Mann trug die bronzenen Reste eines spätrömischen Militärgürtels vom Typ Hermes-Loxstedt der Zeitstufe II nach Böhme (ca300-400 n.C.)

Dieser Gürteltyp ist laut Böhme(1) grob im Gebiet zwischen Seine und Elbe anzusiedeln (Funde z.B. Sahlenburg Grab 33, Wijk Grab 66, Erkelenz/Katzem, Izier, Oudenburg Grab 111, Sedan, u.a).

Auffallend oft war dieser Gürteltyp offensichtlich in Tongeren (Belgien) verbreitet, wo alleine 15 Einzelfunde diesem Militärgürteltyp zuzuordnen sind.

Der Gürteltyp Hermes-Loxstedt zeichnet sich durch seine 5-8 cm große, D-förmige Tierkopfschnalle und einen großen rechteckigen Schnallenbeschlag aus.

Die Schnalle und Beschläge sind häufig mit einfachen, zum Teil schlecht ausgeführten Punzverzierungen dekoriert. Wie auch bei dem vorliegenden Fund aus Kirchberg.
Die Höhe des Schnallenbeschlages zeigt auch die Breite des Gürtelriemens an.

Als weiteres Zierelement besitzt der Kirchberg-Gürtel eine rechteckige Riemenzunge mit wulstartigen gerundeten Endteil, wie häufig bei den Gürteln dieses Typs.
Die Oberkante der Riemenzuge ist zudem dekorativ wellenförmig ausgearbeitet, was bisher bei keiner anderen Riemenzunge diese Gürteltyps beobachtet werden konnte.

Ausgestellt ist der Kirchberg-Gürtel zusammen mit weiteren Funden aus dem Kirchberger Villa Rustica/ Burgus Bereichs in einer eigens für diesen Fundkomplex angelegten Vitrine im LVR-Landesmuseum in Bonn.


Quelle:

  1. Horst Wolfgang Böhme, Germanische Grabfunde des 4. bis 5. Jahrhunderts zwischen Elbe und Loire, C.H. Beck´sche Verlagsbuchhandlung München

Literatur:

  • Von Anfang an, Archäologie in Nordrhein-Westfalen, Schriften zur Bodendenkmalpflege in NRW, Band 8, Verlag Phillipp von Zabern
  • Carl Dietmar, Schatzkammer rheinisches Braunkohlerevier, Geschichten aus der Vergangenheit, Verlag Philipp von Zabern

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