Becher aus Ton und Glas

Ein früher Knickwandbecher und ein früher Rüsselbecher aus Krefeld-Gellep

-Leitformen ihrer Art-

Christoph Ludwiki

1. Knickwandbecher aus Grab 523, Höhe 8.8 cm, graubrauner Ton

Der Knickwandbecher aus dem mittleren Drittel des 5. Jhd. stellt eine Frühform der sogenannten Knickwandgefäße dar. Die Knickwandgefäße sind bis zum Ende des 7. Jahrhunderts eine führende Gefäßform im Spektrum merowingerzeitlicher Keramiken.

Die frühen Knickwandgefäße zeichnen sich durch ihre stark einschwingende Oberwand aus, im Gegensatz zu der späteren typisch geraden, doppelkonischen Form.

Verziert ist der Becher durch ein Rillendekor im oberen Bereich, vier Dreiergruppen eingestempelter Kreise und ein umlaufendes zahnradähnliches Dekor auf dem Gefäßknick.

2. Rüsselbecher aus Grab 43, Höhe 17cm, hellgrünes Glas mit Lufteinschlüssen

Wie der o.g. Knickwandbecher stellt der Rüsselbecher aus Grab 43 eine Frühform eines Glasbechertyps dar, die sich bis ins 7. Jahrhundert hinein gehalten hat.
In einem sehr komplizierten Verfahren, welches ein extrem hohes Maß an handwerklichem Geschick voraus setzt, wurden an einem glockenförmigen Becher mit Standfuß in 2 Reihen hohle rüsselförmige Glaskörper angesetzt.

Dieses aufwändige Verfahren ist in den spätantiken Glashütten bereits seit dem 4. Jhd. bekannt.
Als Besonderheit der frühen Rüsselbecher des 5. Jhd. Tragen diese breite Kerbbänder als zusätzliches Dekor.

Beide Gefäße wurden in spezialisierten Werkstätten in Nordgallien oder Rheinland (Glas) bzw. in der Gegend um Mayen (Keramik) hergestellt. Diese Werkstätten wurden wahrscheinlich noch von Handwerkern der romanischen Bevölkerung betrieben, zeigen jedoch stilistisch den Geschmack der neu aufkommenden fränkisch/germanischen Elite.

Ausgestellt sind beide Gefäße im Museum Burg Linn, Krefeld-Linn.

Hergestellt wurde die Knickwand-Becherreplik im Auftrag der Gruppe Contubernium Primum von Matthias Kurtz in der Museumstöpferei Langerwehe.
Die Replik des Rüsselbechers wurde ebenfalls im Auftrag der Gruppe Contubernium Primum in der Glasbläserei „Glass Replica“ in Tschechien hergestellt.


Literatur:

-Die Franken, Wegbereiter Europas- Verlag Philipp von Zabern
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Renate Pirling, Römer und Franken am Niederrhein- Verlag Philipp von Zabern

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