Darstellung

Ein Contubernium (lateinisch „Zeltgemeinschaft“) stellt die kleinste organisatorische Einheit dar. Sie teilte sich nicht nur Zelt oder Unterkunft, sondern auch Handmühle, Maultier mit Treiber sowie sonstiges Equipment. Damit bildeten die Mitglieder eines Contuberniums nicht nur eine verschworene Kampfgruppe, sondern auch eine Haushalts- und Lebensgemeinschaft. Sogar bei Verfehlungen Einzelner wurde oft die ganze Gruppe bestraft. Dadurch stellten sie gut aufeinander eingespielte, autarke Einheiten dar, die sich organisatorisch gut überall einsetzen ließen.

Die Darstellung einer solchen Gruppe mit allen militärischen, aber auch zivilen Aspekten, hat sich „DAS CONTVBERNIVM“ auf die Fahne geschrieben. Es handelt sich um eine fränkische Einheit Bucellarii aus Ripuarien (Rheinland). Der Name “Bucellarius” steht für die Haustruppen von Feldherren, Offizieren oder Privatpersonen wie z.B. Villenbesitzern und ist um das Ende des dritten Jahrhunderts aufgekommen. Er leitet sich von “Bucca” (der Bissen) oder “Bucella” (das Brötchen) ab. Das System der Bucellarii entstammt aus dem germanischen Gefolgschaftswesen und ist im gesamten spätrömischen Reich verbreitet.

Ihr Equipment ist den Originalen und Abbildungen des ausgehenden vierten / frühen fünften Jahrhunderts nachempfunden. Einige Mitglieder sind erfahrene Soldaten, die schon einige Scharmützel und Kämpfe hinter sich gebracht haben. Sie versuchen den unregelmäßigen Sold durch handwerkliche Tätigkeiten aufzubessern. Anderen wiederum fließt immer noch das heiße Blut starker Kämpfer durch die Adern und sie können es kaum erwarten, in die nächste Schlacht zu ziehen. Das Kampftraining ist ihr Metier. So bietet sich ein breit gefächertes Spektrum, angefangen bei leicht gerüsteten Söldnern mit geringem Gepäck, die „Hit and Run“ Taktik nutzend, bis hin zur aufwendigen und detailgetreuen Darstellung der Bucellarii in ihrem Stammlager oder einer Villa rustica. Der Beleuchtung des täglichen Lebens wird der gleiche Stellenwert eingeräumt wie das Vollkontakt-Kampftraining mit Stahlwaffen.

Die Ausrüstung wurde nach aktuellen Erkenntnissen der Archäologie zusammengestellt, jedoch handelt es sich z.T. um Interpretationen im Falle dürftiger oder fraglicher Fundsituationen. Da viele Mitglieder der Gruppe einige Erfahrung auf dem Gebiet der sogenannten experimentellen Archäologie haben, wird sowohl Kleidung als auch Ausrüstung durch lange Praxistests immer wieder hinterfragt. Dadurch ergeben sich Erkenntnisse, die sich allein durch Museumsbesuche oder Literaturrecherchen nicht erklären lassen. Deshalb ist bei Auftritten auch nicht Schluß, wenn das Ende der Öffnungszeiten für den Publikumsverkehr erreicht ist. Denn für die Gruppe bietet die Zeit in und mit dem Equipment spannendere Momente, als nach „Dienstschluß“ den Fernseher anzuschalten. Insbesondere bei schlechtem Wetter, bei Schnee und Eis, aber auch unter sengender Sonne lassen sich die besten Erkenntnisse über die Alltagstauglichkeit der Ausrüstung erlangen. Für das Publikum ergibt sich daher ein wesentlich facettenreicheres Bild als es bei einem ausschließlichen Display der Fall ist.

Diese Betrachtungsweise entspringt jedoch nicht einer Realitätsflucht und hat auch keinen Rollenspielcharakter. Es findet sich ebenso wenig Platz für romantisierte Historienbilder wie für eine Verklärung der Geschichte. Vielmehr hat sich im Laufe der Jahre gezeigt, daß gerade die Beschäftigung mit den oftmals vernachlässigten Details wichtige Erkenntnisse über das Gesamtbild liefert. Mit anderen Worten: Solange im Puzzle auch nur ein Teil fehlt, bleibt der Rest Spekulation.

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